Urologie
Porphyrien: Diagnose
Porphyrien
Definition
Angeborene oder erworbene Störungen der Porphyrinsynthese mit abnormer Bildung und Anreicherung von Porphyrinen und Porphyrinvorstufen in Körperzellen, meist verbunden mit pathologischen Ausscheidungsmustern, bedingt durch Ausfall oder Defekt bestimmter Enzyme.
Biochemie und Stoffwechsel der Porphyrine
Bei der Biosynthese des Häms entstehen als Intermediärprodukte die Tetrapyrrole, Uroporphyrin, Koproporphyrin und Protoporphyrin. Die Steuerung der Tetrapyrrolvarianten erfolgt über die Enzyme. Porphyrine werden in allen Körperzellen gebildet und liefern Grundbausteine für Hämoglobin, Myoglobin und sind an der Zellatmung beteiligt.
Einteilung
Entsprechend der von der jeweiligen Störung des Porphyrinstoffwechsels vorwiegend betroffenen Organ- bzw. Zellsysteme werden erythropoetische, erythrohepatische und hepatische Formen unterschieden.
Kongenitale erythropoetische Porphyrie (Günthersche Erkrankung)
Definition
Seltene, autosomal rezessive Störung der Hämsynthese mit hochgradiger Photodermatose und hämolytischer Anämie, bedingt durch exzessive Bildung von Uroporphyrin-I.
Ätiologie und Pathogenese
Durch verminderte Aktivität der Uroporphyrinogen-III-Cosynthetase wird vermehrt Uroporphyrinogen-I aus Porphobilinogen gebildet. Diese Isomerenform kann von den Erythroblasten nicht weiter verwertet werden. Durch Hämolyse wird Uroporphyrinogen-I frei und in der Haut, am Auge, in den Knochen und Zähnen abgelagert. Durch Lichteinwirkung treten Schäden in den befallenen Geweben auf. Im UV-Licht Rotfluoreszenz der Zähne, der Erythroblasten und des Urins.
Symptome
Bereits im Kindesalter schwere Lichtdermatose, hämolytische Anämie, Hepatosplenomegalie und dunkelroter Urin. Die durch Photodermatose bedingten Hautläsionen führen an Akren und stark der Sonne ausgesetzten Partien zu Verstümmelungen.
Diagnostik
Labor: Nachweis des typischen Porphyrinmusters sowie der Rotfluoreszenz
Erythropoetische Protoporphyrie
Definition
Kongenitale autosomale dominante Störung des Porphyrinstoffwechsels mit starker Vermehrung von Protoporphyrin, zeitweilig auch Koproporphyrin in den Erythrozyten mit starker Photosensibilität der Haut, bedingt durch verminderte Aktivität der Ferrochelatase und Steigerung der Delta-Aminolävulinsäure-Synthese.
Symptome
Photodermatose, besonders der Nase, Ohrmuscheln und des Handrückens. Nur leichte normo- bis hypochrome Anämie
Diagnostik
Labor: Nachweis des Porphyrinmusters und der Photohämolyse sowie Erythrozytenfluoreszenz
Erythropoetische Koproporphyrie
Definition
Seltene, autosomal dominante Störung des Porphyrinstoffwechsels mit stark vermehrtem Koproporphyrin im Urin, Stuhl und in den Erythrozyten, im Anfall auch von Delta-Aminolävulinsäure und Porphobilinogen. Ursache ist eine verminderte Aktivität der Koproporphyrinogen-Oxidase in Erythrozyten und Leberzellen.
Symptome
Nur geringe Lichtdermatose. Im Vordergrund stehen abdominelle Krisen und neuropsychiatrische Symptome. Auslösend für die Symptome können Barbiturate, Sedativa, Antikonvulsiva und Tranquilizer sein.
Akute intermittierende Porphyrie
Definition
Autosomal dominante hepatische Porphyrie, bedingt durch verminderte Aktivität der Uroporphyrinogen-I-Synthetase und vermehrte Aktivität der Delta-Aminolävulinsäure-Synthetase. Dies führt zu vermehrter Ausscheidung von Delta-Aminolävulinsäure und Porphobilinogen im Urin. Auftreten überwiegend bei Frauen zwischen 20. und 40. Lebensjahr in einer Häufigkeit von 1:50.000.
Symptome
Kolikartige abdominelle Schmerzen, Erbrechen, Meteorismus und paralytischer Ileus. Neurologische Symptome treten in Form von Schmerzen, Parästhesien, Lähmungen, vor allem an den Beinen auf, sowie Tetraplegien, epileptiformen Krämpfen und komatösen Zuständen. Daneben werden Reizbarkeit, Halluzinationen, Verwirrtheit bis zu deliranten Zuständen beobachtet.
Diagnostik
Labor: dunkler bis roter Urin. Schwartz-Watson-Test (1 Tropfen Urin + 1 ml Aldehydreagens ergibt kirschrote Farbe). Typisches Ausscheidungsmuster der Hämprekursoren
Porphyria cutanea tarda
Definition
Hereditäre und konstitutionelle Faktoren auslösend, häufig Endstadium einer chronischen Hepatopathie. Stark vermehrte Ausscheidung von Uro- und Heptacarboxyporphyrin, bedingt durch Defekt der Uroporphyrinogen-Decarboxylase und erhöhte Aktivität der Uroporphyrinogen-I-Synthetase.
Symptome
Im Vordergrund stehen die Photodermatose (siehe oben) und Hauterkrankungen (siehe auch Hauterkrankungen, blasenbildende)
Porphyria variegata
Definition
Autosomal dominant vererbbare Porphyrie, gekennzeichnet durch erhöhte Kopro- und Protoporphyrinausscheidung im Stuhl.
Symptome
Auftreten von abdominellen und neurologischen Krisen in Zusammenhang mit der Einnahme von Barbituraten, Sulfonamiden, Diphenylhydantoin, Östrogenen, Griseofulvin und Meprobamat.
Sekundäre Porphyrine bei Erkrankung der Eryhtropoese
Hämsynthesestörungen finden sich bei idiopathischen und symptomatischen sideroachrestischen Anämien, vor allem bei Vitamin-B6-Mangelanämien, Bleianämie, myeloproliferativen Erkrankungen und Thalassämie.
Labordiagnostische Kriterien verschiedener Porphyrieformen
| Kongenitale erythro- poetische Porphyrie |
Erythrohepatische Protoporphyrie |
akute intermittierende Porphyrie |
Porphyria variegata |
Porphyria cutanea tarda |
|
| Urin | UP-I +++ KP-I +++ |
normal | PGB +++ ALS +++a UP ++ |
UP-I, III ++ KP, I, II + |
PBG ++a ALS ++a |
| Stuhl | UP-I +++ KP-I ++ |
KP + PP ++ |
UP + | UP + KP + PP + |
KP + PP +++ |
| Erythrozyten | UP + KP + PP +++ |
normal | normal | normal | |
| Plasma | KP + PP + |
KP + PP +++ |
normal | normal | normal |
| UV-Fluoreszenz der Erythrozyten |
positiv bleibend | positiv nur an frischen Zellen |
negativ | negativ | negativ |
| Watson-Schwartz- Test (Urin-PBG) |
negativ | negativ | positiv, oft auch zwischen den Attacken |
negativ | positiv, meist nur während den Attacken |
| Abkürzungen: ALS = delta-Aminolävulinsäure PBG = Porphyrinbilinogen UP = Uroporhyrinogen |
KP = Koproporphyrin PP = Protoporphyrin a = im Anfall |








